Buchtipp: Das anständige Unternehmen

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Buchtipp: Das anständige Unternehmen

Das anständige Unternehmen.
Was richtige Führung ausmacht – und was sie weglässt

Unternehmensberater und Autor Reinhard K. Sprenger hat eine klare Botschaft: Anstand durch Abstand. Er bezieht Position gegen die intensiven Kontrollmaßnahmen und misstraut den verschiedenen Führungsstilen. Er plädiert dafür, die Menschen in ihrer Unterschiedlichkeit zu achten und wahrzunehmen.

Sein Eintreten für Anstand erläutert Reinhard K. Sprenger gleich zu Beginn des Buches. Er findet, dass Unternehmen aufgrund von Arbeitsverdichtung einen psychischen Dichtestress und einen Überschuss an Zudringlichkeit erzeugen. Deshalb fordert er «Anstand durch Abstand». Seine Ökonomie der Zurückhaltung will vor allem darauf aufmerksam machen, was zu unterlassen ist.

Sprenger definiert Unternehmen als Zweck- und Kooperationsgemeinschaften, die Bedürfnisse von Kunden befriedigen und dadurch Geld verdienen wollen. Sie sind Gemeinschaften, die nicht aus einer Addition von Einzelleistungen bestehen, sondern rund um die Idee der Zusammenarbeit organisiert sind. Individuelle Leistung ist schwierig isoliert zu betrachten und gar persönlich zurechenbar, weil Ergebnisse nur arbeitsteilig und gemeinsam erzielt werden können. Deshalb, so Sprenger, sind zum Beispiel extreme Einkommensunterschiede in anständigen Unternehmen abzulehnen. Sie betonen das hierarchische Prinzip und bevorzugen den Einzelnen vor dem Ensemble.

Für «anständige Unternehmen» empfiehlt der Autor fünf Prinzipien zu beachten:

  1. Betrachte Mitarbeiter nicht als bloße Mittel.
  2. Behandle Mitarbeiter nicht wie Kinder.
  3. Versuche nicht Menschen zu verbessern.
  4. Verletze nicht die Autonomie der Mitarbeiter.
  5. Bezeichne nichts als alternativlos.

Den Prinzipien wird jeweils ein Kapitel gewidmet. Gesellschaftliche Bedeutung habe sein Buch insofern, urteilt der Autor, dass Unternehmen, die gute Produkte oder soziale Dienstleistungen verkaufen, ihre Wirkungen auf die Menschen am Arbeitsplatz, also die MitarbeiterInnen, kennen sollten. Im Sinne seiner Prinzipien sollten Unternehmen auf Zielvorgaben und Identifikation der MitarbeiterInnen mit dem Betrieb verzichten, nicht den ganzen Menschen vereinnahmen und ihn nicht als Mängelwesen sehen, das ständig zu motivieren ist. Dem entspricht das Menschenbild des Autors: Er wendet sich gegen alle Trends, die infantilisierend, erziehend oder therapierend gegenüber Mitarbeiter/innen auftreten. Dies widerspreche einer Sicht auf erwachsene, für die eigene Selbstentwicklung verantwortliche Menschen.

In diesem Sinn lehnt Sprenger anonyme Befragungen oder eine Haltung der Fürsorglichkeit ab, geißelt den Druck der Selbstoptimierung und, hinsichtlich des neuen Trends «Gesundheit am Arbeitsplatz», die Preisgabe von einschlägigen Daten über den eigenen Körper.

Kritisiert wird auch die «Pädagogisierung der Unternehmensführung», wie der Autor das nennt, die sich in der Personalentwicklung äussert und die er als Korrektur der Personalauswahl versteht. Personalauswahl, für Sprenger die wichtigste Entscheidung des Managements, soll nicht durch Verhaltensoptimierung korrigiert werden. Dies sei ebenso abzulehnen wie Rankings oder institutionalisiertes Feedback, denn sie transportieren die Botschaft: «Sie wären ein sehr viel besserer Mensch, wenn Sie ein anderer wären.»

Aus dieser Sichtweise heraus erklärt Sprenger auch Freiheit aus negativer Sicht, nämlich als Reduzierung von Fremdbestimmung. Er präferiert eine «Ökonomie des Lassens» und meint, dass im Wortsinn «ökonomisch» ja die Suche nach dem geringsten möglichen Aufwand liege. Für das Management entsteht erst durch Zurückhaltung die Chance die Perspektive zu wechseln und Übersicht zu gewinnen – woraus sich Freiräume für Entscheidungen ergeben.

Man muss nicht mit allem einverstanden sein, was der Autor für richtig und wichtig angibt. Das Buch animiert aber dazu, das eigene Führungsverhalten zu betrachten und zu reflektieren. Und vielleicht kommt man dann zum Schluss, dass es sich lohnen würde, an der einen oder anderen Stellschraube zu drehen.

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2018-11-15T18:31:33+00:00

About the Author:

Mit ihrem breiten Erfahrungshintergrund unterstützt sie Unternehmen in der digitalen Transformation und der Wissensarbeit, coacht Wissenstransfers und begleitet Kulturveränderungen. Sie liebt die Berge und das Meer.