Führungstipp Wertschätzung

Wissenstransfer ist Wertschätzung

In einem halben Jahr ist es soweit: Peter Böhmer geht in Rente. Er blickt einerseits vorfreudig, andererseits aber auch mit etwas Beklemmung auf die Zeit danach. Danach: das ist nach seinem letzten Arbeitstag, wenn er morgens nicht mehr früh aufstehen und zur Arbeit gehen muss. Wobei «muss» ja eigentlich auf ihn nie zutraf. Er geht auch nach 45 Jahren noch gerne in den Betrieb. Seit 20 Jahren hat er denselben Arbeitsweg. Er nimmt immer das Fahrrad, sommers wie winters. Jeder im Betrieb weiss das. So wie jeder weiss, dass bald seine letzte Stunde hier schlagen wird. Er wird immer öfter darauf angesprochen, mal ernsthaft, mal mit flapsigen Sprüchen. Er ist sich nicht ganz sicher, wie das gemeint ist – vielleicht sind sie ja froh, dass er geht…

Die Geschichte könnte jetzt zwei verschiedene Wege einschlagen: Böhmer arbeitet bis zum letzten Tag und wird dann verabschiedet, mit Geschenk und warmen Worten. Oder aber sein Chef und die Personalabteilung beschliessen, das Arbeitsleben von Peter Böhmer zu würdigen und dabei auch gleich das Wissen, das sich Böhmer angeeignet hat, dem Team oder dem Nachfolger verfügbar zu machen. Sie planen einen strukturierten Wissenstransfer.

Es ist ein grosser Schritt im Leben jedes Menschen, wenn er in Rente geht. Ein Meilenstein, den es gilt als solchen zu würdigen. Ganz abgesehen davon, dass er sein gesamtes Wissen über seine Tätigkeit mitnimmt. Gemeinsam und auch im Interesse des Unternehmens nochmals Rückschau zu halten, die Arbeit zu würdigen, Projekte nochmals aufleben zu lassen und festzuhalten, was alles geleistet wurde – das bedeutet sehr viel Wertschätzung für den Mitarbeiter. Oftmals hat auch er selbst nicht mehr so klar vor Augen, was er überhaupt alles geleistet hat. Wenn er nach einem strukturierten Wissenstransfer seine Wissenslandkarte vor sich hat, kommt es nicht selten vor, dass sogar er selbst beeindruckt ist, was er da alles geschaffen hat. Das Arbeitsleben kann auf diese Art nochmals betrachtet und dann endgültig ad acta gelegt werden. Dem Unternehmen bleibt das Wissen erhalten, auch wenn der Mitarbeiter weg ist. Eine win-win-Situation für beide Seiten.

2018-05-15T11:44:43+00:00

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Mit ihrem breiten Erfahrungshintergrund unterstützt sie Unternehmen in der digitalen Transformation und der Wissensarbeit, coacht Wissenstransfers und begleitet Kulturveränderungen. Sie liebt die Berge und das Meer.