Das Firmen-BarCamp als Wissensmarktplatz

Haben Sie schon mal daran gedacht, anstelle eines Mitarbeiterevents ein firmeninternes BarCamp durchzuführen? Sollten Sie tun, unbedingt!

Doch zu allererst die Begriffsklärung: Ein BarCamp, deutsch eine Unkonferenz genannt, ist ein wissensorientiertes Veranstaltungsformat, das sich maximal dem Interesse aller Teilnehmer anpasst: Entlang eines Leitthemas wird am Tag der Veranstaltung die letztendliche Agenda festgelegt – und zwar je nach Interesse der Teilnehmer. Dies im Gegensatz zu einer Konferenz, wo das Thema und die Programmpunkte zum vorneherein festgelegt sind.

Zeitverschwendung oder Motivation?

Es braucht Mut und Vertrauen, ein BarCamp innerhalb eines Unternehmens durchzuführen, denn der Tag lebt durch seine Teilnehmer und ihr Engagement. Viele Unternehmen treibt erst mal die Angst um: was, wenn keiner mitmacht? Diese Angst ist unbegründet. Die Erfahrung zeigt, dass es immer Leute gibt, die aus ihrem Arbeitsalltag berichten wollen. Ein zweiter Punkt, der oft angeführt wird: Kontrollverlust. Wenn es Kritikpunkte und Problem in Ihrem Unternehmen gibt – und wo gibt es die nicht – dann sind die auch ganz ohne BarCamp vorhanden. Ist es nicht besser, sie mal auf dem Tisch zu haben und aktiv Lösungen suchen zu können? Ein ebenfalls oft gehörtes Argument ist dasjenige der «Zeitverschwendung». Mitarbeiter beschäftigen sich einen ganzen Tag lang nur mit ihnen wichtigen Themen. Wer Zeit verschwenden will, schafft das auch ganz ohne BarCamp. Wer sich aber einen Tag lang mit Themen beschäftigen darf, die seine Arbeit interessanter machen, ihm einen Wissensgewinn bringen und neue Erkenntnisse schaffen, der wird das mit Begeisterung tun.

Wissensmarktplätze schaffen

Informeller Wissensaustausch findet vielerorten statt. Leider aber nicht strukturiert und nur zwischen den Mitarbeitern, die sich jeden Tag sehen. Oftmals ist es auch so, dass nur gezielt und problemorientiert Wissen abgeholt wird. So weiß dann keiner vom andern, was der alles weiß. Der große Vorteil von BarCamps ist, dass auch Kontakte außerhalb der eigenen Abteilung entstehen und oftmals über verschiedene Ebenen hinweg reichen. Der Wissenspool, den der Einzelne anzapfen kann, wird sehr viel grösser – Wissen wird zusammengetragen und geteilt. Und zu guter Letzt fördert ein BarCamp den Dialog, Silos werden vernetzt, mit der Zeit sogar aufgebrochen.

Natürlich steht es Ihnen frei, auch Themen-BarCamps zu veranstalten. Sie können besonders relevanten Themen identifizieren und dazu ein BarCamp veranstalten. Oder Sie wollen komplexe Themen vermitteln. Oder eine neue Unternehmenskultur verankern… der Themenvielfalt ist keine Grenze gesetzt. Wichtig bleibt einzig die Offenheit und die Kommunikation auf Augenhöhe mit allen Anwesenden.

Wie funktioniert es?

Der Tag gliedert sich in grob gesagt in vier Abschnitte:

Begrüßung und Vorstellungsrunde

Zuerst begrüßt das Organisationsteam alle Anwesenden und erklärt kurz den weiteren Ablauf. Danach folgt eine Vorstellungsrunde aller Personen. Dabei werden nur der Name, der Unternehmensbereich und drei Stichworte zur eigenen Person genannt. Das geht sehr schnell und ist ein Eisbrecher für die weitere offene Kommunikation.

Sessionplanung

In der Sessionplanung wird das Tagesprogramm festgelegt und in den Sessionplan eingearbeitet. Alle Teilnehmer dürfen eine Session vorstellen. Der Inhalt wird kurz (!) erklärt und auch, an wen sich die Session richtet. Anschließend wird das Interesse der Teilnehmer erfragt und dem Thema einen Raum und eine Uhrzeit zugewiesen. Es finden immer mehrere Sessions parallel statt.

Sessions

Dank des Sessionplans können die Teilnehmenden selbst entscheiden, wohin es gehen soll. In den Sessions organisieren sich alle TeilnehmerInnen eigenständig in der Gruppe. Es gibt keinen Zwang zu bleiben, es ist jederzeit möglich, die Session zu wechseln.

Im Normalfall ist eine Session 45 Minuten lang, sodass – mit 15 Minuten Pause zwischen den Sessions – ein neuer Sessionslot z.B. immer zur vollen Stunde beginnen kann.

Abschlussrunde

Eine gemeinsame Abschlussrunde steht am Ende des Tages. Die Teilnehmer können Feedback geben, über ihre Erfahrungen berichten sowie Anregungen und Wünsche für ein nächstes Mal anbringen.

Zum Schluss:  Die fünf goldenen Regeln für ein gelungenes Unternehmens-BarCamp:

  1. Alle Teilnehmer, vom Azubi bis zum Vorstand, sind gleich
  2. Alle Mitarbeiter aus eingeladenen Abteilungen dürfen teilnehmen.
  3. Sie können den Themenrahmen bestimmen, aber die Teilnehmer bestimmen die Inhalte.
  4. Inhalte werden an alle anderen Mitarbeiter verbreitet.
  5. Es muss eine offene Kommunikation möglich sein